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Interview mit Berhard Speck, KAB Bezirksverbandsvorsitzender bis 19.03.2011 (09.05.2011)

50 Jahre Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Main-Tauber-Kreis. Hat die KAB noch eine Zukunft oder befindet sie sich bereits in der Endphase eines Sterbeprozesses. Was war, was ist und wie wird die Zukunft aussehen? Darauf gibt der Bezirksvorsitzende Bernhard Speck in einem Interview mit Manfred Nenno eine Antwort.
Ein halbes Jahrhundert KAB im Main-Tauber-Kreis. Seit wie viel Jahre sind Sie als Vorsitzender an der Spitze des Verbandes?
Speck: Bis 2004 war ich hauptamtlich als KAB-Sekretär für den Bereich Neckar-Odenwald und Main-Tauber verantwortlich. Ab Juli 2004 mit dem Ausscheiden aus dem aktiven Berufsleben bin ich ehrenamtlich für den Bezirksverband Main-Tauber tätig und habe meine Nachfolger, zwei Kollegen aus Mannheim Uwe Terhorst und Ulf Bergemann in die Arbeit eingeführt. Allerdings ist meine Stelle nur zur Hälfte besetzt worden und die zur Verfügung stehende Arbeitszeit teilen sich die beiden Kollegen, was angesichts der Entfernung Mannheim - Main-Tauber-Kreis alles andere als einfach ist.
Wie kamen Sie zur KAB?
Speck: Zur KAB kam ich durch meine aktive Tätigkeit als Sekretär der Christlichen Arbeiter Jugend (CAJ) in Mannheim von 1968-1970. In dieser Funktion hatte ich beruflichen Kontakt zur KAB, und zwar zum damaligen Sekretär Helmut Seidel. Zusammen haben wir damals die eine oder andere Aktion und Initiative gemeinsam ins Leben gerufen. In dieser Zeit habe ich die KAB kennen und schätzen gelernt. Ende der siebziger Jahre bin ich in die KAB eingetreten. 1980 kam ich als Jugendreferent ins Taubertal, wo ich in den Dekanaten Tauberbischofsheim und Lauda für die Jugendarbeit verantwortlich war. Im gleichen Jahr starb der damalige KAB-Sekretär Josef Kienbacher und ich wurde gefragt, ob ich dessen Arbeit übernehmen möchte. Ich habe zugesagt und wurde dann im Juli 1981 als KAB-Sekretär eingestellt.
Welche Ausbildung war für die Tätigkeit damals notwendig und was wird heute gefordert?
Speck: Ich habe die Volksschule in Ettlingen besucht, das freiwillige neunte Schuljahr in Karlsruhe angehängt und eine dreijährige Lehre als Heizungsbauer gemacht. 1964 besuchte ich für ein Jahr die Schule der CAJ, war ein Jahr als Heizungsmonteur in der Schweiz und ein halbes Jahr in Pforzheim. 1965 kam ich als Wehrpflichtiger zur Bundeswehr. Nach meiner Wehrpflicht bin ich am 1. Januar 1968 in Mannheim als CAJ-Sekretär für drei Jahre angestellt worden. Meine anschließende Ausbildung zum Sozialarbeiter graduiert dauerte fünf Jahre und ich wurde am 01. Januar 1975 als hauptberuflicher Jugendreferent im „Haus der Jugend“ in Mannheim angestellt. Diese Tätigkeit habe ich ausgeführt bis Ende 1979. 
Sie haben noch eine richtige solide Berufsausbildung gemachte und ausgeübt, wissen also, wie es im Berufsleben ist. Welche Ausbildung haben die heutigen KAB-Sekretäre?
Speck: Da bin ich jetzt etwas überfragt. Ich weiß nur, dass Ulf Bergemann Religionspädagogik studiert hat und Uwe Terhorst eine Ausbildung in Betriebswirtschaft oder kaufmännischen Bereich.
Also kann man sagen, dass eine praktische Tätigkeit im Beruf zugunsten einer fast reinen theoretischen Ausbildung ins hintertreffen geraten ist?
Speck: Die Grundlage in einem Beruf habe ich, weil ich 8 Jahre auf dem Bau gearbeitet habe und damit habe ich, wie gesagt, auch Erfahrung wie es im Arbeitsleben zugeht.
Wie kam es dazu, dass hier im Main-Tauber-Kreis überhaupt eine KAB gegründet wurde?
Speck: Etwa 10 Jahre nach dem Krieg entstand die Idee ein Werkvolk zu gründen und in den Anfangsjahren hießen die entstandenen Gruppen auch „Werkvolk“. Der Hauptinitiator dieser Idee war der Jesuitenpater Otto Buchheim SJ. Er bereiste von Mannheim aus das Hinterland und versuchte Arbeitnehmer(innen) für die Idee der KAB zu gewinnen. Ich glaube die ersten Gruppen sind 1957/1958 entstanden. Die Idee war in erster Linie einen Gegensatz zum sozialistischen oder kommunistischen Einfluss zu bilden. Arbeitnehmer(innen) sollten in ihrem christlichen Umfeld und in der christlichen Soziallehre verankert bleiben und hier ihre Orientierung finden. Grundlage war das Evangelium und die Gerechtigkeit, wie sie in der Bergpredigt gefordert wird. Für diese Gerechtigkeit sollen sich die Arbeitnehmer(innen) einsetzen.
Speck: Und ich denke, die zwei Motivationen waren am Beginn sehr stark, sie waren auch in der praktischen Umsetzung stark verankert. Es gab zum einen die religiöse Information in den Anfangsjahren, wo die Menschen im Glauben geschult wurden, später kam der Bereich über die sozialpolitischen Entwicklungen in unserem Land dazu.
In diesen 50 Jahren KAB hat sich Vieles in der Arbeitswelt, der Kirche und der kirchlichen Verbandsarbeit geändert. Wie ist der jetzige Stand der KAB bei uns im Bezirk Main-Tauber, wie viele Mitglieder hat der Verband und welches Durchschnittsalter haben die Mitglieder?
Speck: Der jetzige Stand der KAB ist rein von der Mitgliederzahl her besser wie in den Gründerjahren. 1961 hatten wir 116 Mitglieder und heute haben wir 170 Mitglieder. Aber wir haben das Problem der Überalterung. Das Durchschnittsalter ist 62 Jahre und wenige stehen noch im Berufsleben. Es ist ungefähr das Durchschnittsalter von Menschen, die heute noch in die Kirche zum Gottesdienst gehen. Aber es ist richtig, wir haben eine starke Überalterung und einige Mitglieder steuern auch schon die 70 an. Mit einem Durchschnitt von 50 Jahren wäre ich hochzufrieden. Wir haben 60 Frauen und 110 Männer. Was hat sich in den Jahren verändert? Das Bildungsprogramm, das wir heute anbieten, hat sich verändert. Es ist umfangreicher und intensiver. Es kommen, soweit ich die Statistik kenne, nicht mehr die großen Teilnehmerzahlen wie in den sechziger Jahren wo es um die Themenbereiche Erziehung und Sexualität ging. Bei den Themenbereichen die sich auf die Arbeitswelt bezogen sind es heute genau so viele wie damals. Allerdings muss man dazu sagen, auch nur unter dem Aspekt der Vernetzung mit anderen Verbänden.
Wie ist die Zusammenarbeit mit den anderen Organisationen hier in unserem Bereich, der IGM in Tauberbischofsheim, Kolping oder dem DGB.
Speck: Zunächst einmal gibt es seit 40 Jahren eine Vernetzung mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund, die, so glaube ich, sogar vorbildlich für ganz Baden-Württemberg ist. Seit dieser Zeit gibt es das DGB/KAB-Seminar in Tauberbischofsheim und da sind natürlich auch immer auch Mitglieder der IGM dabei gewesen und vor allem die Betriebsräte, die in Betrieben wo die IGM involviert ist, sind mit dabei gewesen. Zur Gewerkschaft IGM gib es nur sporadische Kontakte. Hier besonders bei Aktionen, wie wir sie im  Sommer hatten oder auch im letzten Jahr, wo es um Entlassungen bei der Firma Weinig ging. Aber große gemeinsame Aktionen gibt es nicht. In der Vergangenheit gab es einmal eine gemeinsame Sache, da hat sowohl die KAB als auch die IGM ähnliche Konzepte vorgestellt, wie die Arbeitszeit verkürzt werden könnte und da hatte wir gemeinsame Veranstaltungen. Kolping habe ich noch vergessen. Kolping ist natürlich als katholischer Verband einerseits auch etwas Konkurrent, aber wir haben hier ein sehr gutes Verhältnis. Der Bezirksvorsitzende von Kolping ist auch Mitglied in der KAB. Die gute Zusammenarbeit zeigt sich vor allem bei der Durchführung der jährlichen „Sozialen Woche“ und bei der „Maiandacht der Verbände“.
Ist die KAB Gewerkschaft oder ist sie Verein?
Speck: Die KAB ist in jedem Fall keine Gewerkschaft. Wir sind ein eingetragener Verein, ein Sozialverband der sich als Teil der Kirche versteht, der sich vor allem für die Arbeitnehmer(innen) einsetzt und engagiert. Wir können keine Tarifverträge aushandeln und wir haben auch keinen Zutritt zu den Betrieben. Wenn wir in Betriebe gehen wollen, sind wir auf das Wohlwollen der jeweiligen Betriebsleitung angewiesen. Aber wir sind Arbeitnehmervertreter und sind berechtigt Betriebsräteschulungen, Personalräteschulungen und Mitarbeitervertreterschulungen durchzuführen. Durch diese Schulungen und Seminare entstanden und entstehen unsere vielfältigen Kontakte. 
KAB ist ein Verband der katholischen Kirche. Was ist die Grundlage auf die die KAB in der katholischen Kirche aufbaut.
Speck: Die Grundlage ist schnell erklärt: Die KAB ist Stimme der Kirche in der Arbeitswelt und Stimme der Arbeitswelt in der Kirche. Sie ist von daher immer wieder aufgefordert sich am Evangelium zu orientieren und dankenswerter Weise auch an der katholischen Soziallehre oder christlichen Sozialethik. Und da gab es ja bisher hilfsreiche und aussagekräftige Dokumentationen (Sozialenzykliken) der Päpste zu wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fragen. Das Allerbeste, was wir in den letzten Jahren in der deutschen Kirche erlebt haben, war die Herausgabe des gemeinsamen Wortes der evangelischen und katholischen Kirche: „Für eine Zukunft in Gerechtigkeit und Solidarität“.
Die katholische Kirche steckt momentan in erheblichen Schwierigkeiten. Hat das einen Einfluss auf die KAB. Hat die KAB überhaupt noch einen Einfluss in Gesellschaft und Politik?
Speck: Ich denke, dass die KAB von ihrer Tradition her eine starke Verbindung mit der CDU und deren Sozialausschüssen hatte. Schon von daher war ein Grundeinfluss in die Sozialpolitik gegeben. Davon hat man sich mehr und mehr distanziert. Es gibt heute eine größere Offenheit auch zu den anderen Parteien wie der SPD und SPD-Mitglieder sind Mitglieder in der KAB. Auch teilweise gibt es Verbindungen zu den Grünen - da ist eine Pluralität eingetreten. Der Einfluss, glaube ich, ist nicht stärker geworden. Stärker ist er dort, wo die KAB als Bundesverband auftritt und bestimmte Forderungen an die Politik richtet. Das wird einigermaßen mit aufmerksam registriert. Besonders war das bei der Frage der Sonntagsarbeit „Sonntag muss Sonntag bleiben“. Hier wurden sogar unsere Referenten und unsere Rechtsberaterin Frau Dr. Deusch zu den Hearings nach Bonn und später auch nach Berlin eingeladen. Also ich sehe schon, dass es Einflussmöglichkeiten gibt, vor allem da wo die KAB am Ball bleibt.
Und bei uns in der Region?
Speck: Es ist ein ganz wichtiger Punkt, dass wir hier bei uns in der Region mit unseren Politikern im Gespräch bleiben. Wir haben hier gute Kontakte zu Minister Reinhart – zurzeit bin ich dabei einen Kontakt zu Alois Gerig, dem CDU-Bundestagsabgeordneten aus Höpfingen aufzubauen.
In der Vergangenheit hatten wir einen sehr sehr guten Kontakt zu der Bundestagsabgeordneten der SPD Frau Brigitte Adler, die leider schon verstorben ist. Der Einfluss in der Gesellschaft hat sich etwas verringert, weil auch der Einfluss der Kirche nicht mehr so stark ist. Durch den Priestermangel heute hat sich die Situation noch verschärft. Wir hatten früher 8 bis 10 Priester im Main-Tauber-Kreis, die uns in der KAB unterstützt haben, heute haben jetzt noch vielleicht 3 oder 4 Priester. Also da ist auch deutlich eine personelle Verringerung spürbar und dadurch auch eine deutliche Verringerung der Unterstützung. 
Mit welchen Aktionen ist die KAB bisher an die Öffentlichkeit gegangen?
Speck: Hervorragende Aktionen der KAB Bundesverband war natürlich die Aktion „Rente für Mütter“, der Kampf um die Anerkennung der Erziehungszeiten vor allem der Frauen, die zu Hause bleiben bei ihren Kindern und hat 1986 auch zum Erfolg geführt. Ein Erfolg, der sich die KAB sicher auf die Fahne schreiben darf. 1986 ist diese Anerkennung gekommen und dieses Gesetz auch mittlerweile verbessert ist und bis zu drei Jahre pro Kind anerkannt werden in der Rentenversicherung. Dann, wie bereits gesagt, haben wir ja die große Aktion „Sonntag muss Sonntag bleiben“ weiter am laufen. Ich glaube, kein anderer katholischer Verband und auch nicht die Gewerkschaften haben sich so dafür eingesetzt wie die KAB, dass der Sonntag arbeitsfrei bleibt und nicht dem Profitdenken geopfert wird. Es gab die Aktion „Es stinkt zum Himmel“, wo es um die finanziellen Verbesserungen und bessere Rahmenbedingungen für Familien ging. Zu guter Letzt gibt es noch eine Kampagne, wo die KAB ein neues Rentenmodell mit drei Stufen, die steuerfinanzierte, die beitragsfinanzierte und letztendlich die ergänzende Betriebsrente, entworfen hat. Das Modell wird in Zusammenarbeit mit anderen katholischen Verbänden der Politik vorstellt. Im Bereich der internationalen Arbeit setzten wir uns mit der Kampagne „Entwicklung braucht Entschuldung“ beim Weltwirtschaftsforum in Köln für die Entschuldung der ärmsten Länder der Erde ein.
Und im Main-Tauber-Kreis?
Speck: Die KAB Main-Tauber-Kreis setzte sich besonders mit einer Petition an Minister Reinhart für die Erhaltung der Bahnstrecke von Lauda nach Wertheim ein. Mit Informationsständen auf dem Marktplatz und der Teilnahme an Demonstrationen der IGM in Tauberbischofsheim und Stuttgart traten wir für den Erhalt von Arbeitsplätzen ein.
Eine Frage noch zu der Aktion „Sonntag muss Sonntag bleiben“. Die zieht sich ja schon über viele Jahre hin. Auf der anderen Seite gibt es immer weniger Gläubige die Sonntags in die Kirche zum Gottesdienst gehen. Warum drängt die KAB so darauf den Nichtgläubigen den Sonntag zu vermiesen, indem sie gegen den Verkauf von Brötchen oder den verkaufsoffenen Sonntag ist.
Speck: Ich muss zugeben, das Thema zieht sich schon über zwanzig Jahren hin, ein Dauerbrenner, der aber immer noch aktuell und unserer Meinung nach wichtig für die Gesellschaft ist. Wenn der gemeinsame Ruhetag fehlt, leiden auch die familiären Bedingungen. Das habe ich auch bei vielen Gesprächen und Vorträgen immer wieder gehört, es waren immer Arbeitnehmer darunter die davon betroffen waren. Die auch sehr deutlich gesagt haben welche Nachteile die Sonntagsarbeit, die nicht unbedingt erbracht werden muss, für die Familie oder persönliche Beziehung hat. An einem Montag, wenn der Arbeiter frei hat, hat er halt nicht die Kontakte, wie an einem freien Wochenende, das muss man ganz klar sagen, und es leidet natürlich auch die Familie darunter. Der Sonntag sollte Profit frei sein. Er leitet sich auch aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel ab, dass ein Tag in der Woche Gott gehört, Es ist ein Tag der Erhebung, ein Tag für die Familie und daher ist dieser Tag von ganz großem Wert. Da hat insbesondere die evangelische Kirche mit einer Plakataktion einen guten Beitrag geleistet - „Ohne Sonntag gibt es nur noch Werktage“.
Ein anderes großes Thema für die KAB ist das Grundeinkommen. Vor allem das bedingungslose Grundeinkommen. Geht das „bedingungslos“ nicht zu weit? Welche Meinung haben Sie dazu?
Speck: Als Müntefering, damals stellvertretender Bundeskanzler, in Mannheim war, wurde vom damaligen Oberbürgermeister Widder gesagt, dass viele Menschen auf lange Sicht keine Perspektive mehr auf einen Arbeitsplatz in der Stadt haben und dass für diese Leute eine Regelung gefunden werden muss,  wie sie aus der erniedrigten Situation herauskommen. Es kann nicht sein, so Widder weiter, dass die Menschen ständig zum Arbeitsamt gehen und um Arbeitslosenunterstützung „betteln“. Die KAB favorisiert das Modell Grundeinkommen ohne Arbeit um eine Diskriminierung dieser Menschen, die sich ja um Arbeit bemühen, möglichst zu verhindern. Andererseits sehe ich persönlich auch die Problematik, dass jemand der dann solche Vorteile vielleicht hat, sich nicht mehr um einen Arbeitsplatz bemüht oder einen Dienst für die Gesellschaft leistet. Von daher liegt mir also persönlich mehr ein Modell, dass Arbeit zum Beispiel auch im Haushalt, in der Pflege und im Ehrenamt bezahlt und anerkannt wird näher, als ein Einkommen ohne Arbeit.
Wo ist die Zukunft der KAB?
Speck: Ein wichtiger Bereich für uns im Main-Tauber-Kreis ist vor allem die internationale Arbeit – Peru, Rumänien - und ein gutes Bildungsprogramm, das können wir, profilierter als andere. Zu erwähnen ist auch noch die Arbeitsrechtsberatung für unsere Mitglieder durch Frau Deusch in Freiburg, die Unterstützung von Projekten wie „Hilfe die ankommt und Mut macht“ für Straßen und Waisenkinder in Rumänien und die Jugendarbeit „LaBuMoTa“ bei der bisher 2000 Jugendliche, ohne Gegenleistung Mitglieder bei der KAB zu werden, beraten wurden, wie ein Start ins Berufsleben gelingen kann.
Nennen Sie bitte sieben Gründe warum jemand Mitglied in der KAB werden sollte?
Speck: Persönliche Begegnungen und Freundschaften, sich als Christ in Gesellschaft und Kirche engagieren, seine Meinung sagen, sich für Projekte einsetzen zum Beispiel in Peru und Rumänien, dazu beitragen, dass es gerechter zugeht auf dieser unserer Welt.
Vielen Dank für das Gespräch

 

 


KAB: Familenwochenende in Affhöllerbach/Odenwald Thema "Familien gestalten Europa" · Freitag 17.- Sonntag 19.April 2009

KAB: Kein Eldorado für Dumpinglöhne in Europa!„Europas Herz muss sozial schlagen“Die KAB fordert die EU-Ratspräsidentin und deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, Europas Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer stärker vor Ausbeutung und Lohndumping zu schützen. Europa ist mehr als ein Wirtschaftsraum.
Europa muss  eine Gemeinschaft von Menschen werden.
Dazu ist es notwendig, dass die menschliche Arbeit nicht durch Dumpinglöhne entwertet wird. Wir wollen kein „working poor“ in Europa. Die Würde des Menschen zeigt sich in der Wertschätzung seiner Arbeit. Europa darf kein Eldorado für menschenverachtende Dumpinglöhne werden. Es ist ein Skandal, wenn faire Löhne durch unfaire Rahmenbedingungen des EU-Marktes ausgehebelt werden. Deshalb ist  die Einführung von Mindestlöhnen in Deutschland ein dringender Schritt, um mit  der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ein Signal für soziale Gerechtigkeit für die gesamte EU zu setzen.
Die Arbeitslosigkeit in Europa ist menschenverachtend. Arbeitslosigkeit spaltet Europa und die Mitgliedsstaaten. Wir wollen ein Europa für alle! Ohne Arbeit für alle gibt es kein solidarisches und gerechtes Europa.
Kein Europa auf niedrigem Sozial-Niveau!
Europa darf nicht zur Plattform für Sonntagsreden werden. Die Europäische Sozialcharta muss eine verbindliche politische Handlungsgrundlage für ganz Europa sein. Wir wollen Deutschland wieder zum Vorreiter für soziale Gerechtigkeit in Europa machen. Gleiche Löhne für gleiche Arbeit für Mann und Frau sind zwingende Voraussetzung dafür. Deutschland ist das Land, in dem die geschlechtspezifische Spaltung der Arbeitwelt diskriminierende Entwicklungen genommen hat. – Damit muss Schluss sein!

Die Bundesregierung hat sich über ihre EU-Ratspräsidentschaft hinaus für einheitliche EU-Standards im Sozial- und Arbeitsrecht stark zu machen. Es muss Schluss damit sein, dass Arbeit die Menschen zunehmend krank macht. Wir kritisieren die Einführung der „Rente mit 67“. Sie ist ein weiterer Schritt für andere EU-Staaten, die sozialen Sicherungssysteme auszuhöhlen.

Mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer hat die Bundesregierung Arbeitnehmer und ihre Familien zusätzlich belastet, gleichzeitig unterstützt sie mit der Absenkung der Unternehmenssteuer eine ausufernde Standortkonkurrenz, die die Staaten handlungsunfähiger machen und die Spaltung der Gesellschaft vorantreiben wird.  – Damit muss Schluss sein!

Europas Herz muss sozial schlagen, sonst hat es keine Zukunft.

KAB: Hartz-Regelungen haben mehr Armut als Arbeit geschaffen.Die Hartz-Regelungen müssen weiterentwickelt werden, fordert die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands angesichts der Veröffentlichung der "Moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt" vor fünf Jahren. Als arbeitsmarktpolitisches Instrument sind die Reglungen gescheitert, erklärte Birgit Zenker, Bundesvorsitzende der KAB Deutschlands. „Die dramatisch hohe Zahl von Langzeitarbeitslosen offenbart“, so die Vorsitzende, „dass die Förderung und Qualifizierung von Arbeitslosen fehl gelaufen ist". Hartz habe nicht zu einer positiven Neuregelung des Arbeitsmarktes geführt, sondern lediglich zur Deregulierung der Beschäftigungsverhältnisse und zur Reglementierung der Arbeitslosen, so Zenker.
Sie bezeichnete die angebliche Radikalkur gegen Arbeitslosigkeit von Schröder und Hartz sowie in der Weiterführung durch die amtierende Bundesregierung angesichts von mehr Arbeitslosen als 2002 als gescheitert. „Die jüngste positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sei nicht den Hartz-Regelungen, sondern der Konjunktur geschuldet“, so Zenker.
Sie forderte die Bundesregierung auf, endlich nachhaltige Reformen jenseits konjunktureller Schwankungen umzusetzen. Dazu gehöre die Einführung eines Mindestlohns genauso wie eine stärkere Qualifizierung von Arbeitnehmern wie Arbeitslosen sowie die Förderung des zweiten Arbeitsmarktes. „Die Bundesregierung hat es versäumt“, so Zenker, „jenen Beschäftigung zu vermitteln, die auf dem ersten Arbeitsmarkt kaum Chancen haben.“

7,4 Millionen ALG II-Bezieher
Die KAB-Vorsitzende kritisierte, dass 7,4 Millionen Menschen auf Leistungen nach dem Arbeitslosengeld II angewiesen sind. Die Deregulierung des Arbeitsmarktes habe zu steigender Armut in Deutschland geführt. „Armut trifft heute nicht nur Arbeitslose, sondern vermehrt Menschen mit Vollzeitbeschäftigung“ sagte Zenker. Sie verlangte die dynamische Anpassung der Leistungen aus dem Arbeitslosengeld II und eine Überprüfung der angewendeten Leistungskriterien. „Es darf nicht sein, dass einer alleinerziehende Mutter mit drei Kindern die Leistungen gekürzt werden, weil ihre Tochter achtzehn Jahre alt geworden ist oder chronisch Kranken zugemutet wird, mit Leistungen des einfachen Regelsatzes ihre Krankheit zu meistern“.

Trotz der notwendigen Schritte bei der Reform der Arbeitsagentur und einer Beratung aus einer Hand für die Arbeitslosen verpufften die arbeitsmarktpolitischen Ansätze, da Ressort übergreifende Reformen bisher fehlten. Zenker forderte die Bundesregierung auf, die Beseitigung der Arbeitslosigkeit ernsthaft und nachhaltig anzugehen.

Köln, den 15. August 2007

Betriebsbesuch bei König und Meyer, WertheimDonnerstag, den 30.09.08 ab 13:30 Uhr Veranstalter: Bezirksverband der KAB

Vortrags- und Gesprächsabend "Grundeinkommen ohne Arbeit"

Mittwoch, den 01.10.2008 im Ökumenischen Kirchenzentrum Wertheim-Wartberg Referenten: Ludwig Paul Häußner, Dipl Betriebswirt UNI Karlsruhe; Bernhard Löffler, Regionsvorsitzender DGB Region Heilbronn Franken Leitung: Bernhard Speck, Bezirksvorsitzender KAB Main-Taiber-Kreis - Eintritt frei - Wir freuen uns über zahlreiche Teilnehmer

Betriebsräte-Seminar in Tauberbischofsheim

Dienstag, den 07.10.2008 im Hotel St. Michael, Stammbergweg 1  09:00-17:00 Uhr Thema: Befristete Arbeitsverhältnisse, Teilzeitbeschäftigung, Arbeit auf Abruf und Minijobs, Zeit- und Leiharbeit Referent: Rolf Kühn, Arbeitsrichter a.D. Information und Anmeldung: KAB Bezirkssekretariat, Kirchenstraße 11, Buchen-Hainstadt Tel.: 06281 52290 E-Mail: zentrale@kath-odenwald-tauber.de

Großer Senioren-Tag in MesselhausenDonnerstag, den 18.08.08 09:15-17:00 Uhr im Kloster Messelhausen Nähe Tauberbischofsheim Thema: "Glaube-Hoffnung-Liebe" Veranstalter: KAB Bezirksverband Verantwortlich: Frau Ida Schimmer, Wertheim-Bestenheit 

Thema: Die Europäische Union"Gerlachsheimer Mon(d)tage" Leben und Arbeiten in Europa

Verstehen Sie die europäische Politik? Was ist und wie funktioniert die EU? Was haben wir davon? Wie sieht die Bilanz der Erweiterung aus? Was erwartet uns noch? Mit Dr. Michael Walter, Politikwissenschaftler des Institut für politische Bildung baden-Württemberg konnte ein hervorragender kenner der Europäischen Union gewonnen werden der Ihnen auf diese Fragen Antwort geben kann.Montag, 28.Januar 2008 + Beginn 19:30 Uhr + Norbertussaal Gerlachsheim + Kostenbeitrag 2 Euro

Willkommen in einem fremden Land? Asylgesetzgebung und Zuwanderungsgesetz

 "Seit 1953 stellen ca. 3,1 Millionen Menschen einen Asylantrag“ „Die Zahl der Ausländer hat sich seit 1991 von 5,8 auf 6,7 Millionen erhöht“ „ Aus völkerrechtlichen und humanitären Gründen können einzelne Ausländer oder Ausländergruppe hier aufgenommen werden“ Migration-Zuwanderungsgesetz - Asyl - Integration-Aufenthaltsrecht.Können Sie mit diesen Begriffen was anfangen und wissen was gemeint ist? Wenn Sie mit Nein antworten müssen, dann geht es Ihnen wie mir und der überwiegenden Anzahl der Menschen in Deutschland. Wenn Sie sich aber informieren wollen um mitreden zu können lade ich Sie recht herzlich zu einem Vortragsabend ein. Herr Böck, Leiter der Ausländerbehörde Tauberbischofsheim wird uns in das Thema einführen und beantwortet Ihre Fragen.
Wann:  Donnerstag, den 26.April 2007
Wo:     Gemeindezentrum St. Bonifatius
Beginn: 19:00 Uhr- ca. 21:00 Uhr
Es wird ein Teilnehmerbeitrag von 2 Euro erhoben.

Tagesseminar: "Den Menschen Hoffnung geben" Sozialstaat im Wandel

Für die soziale Erneuerung DeutschlandsTagesseminar für Mitglieder des DGB, der KAB und Interessierte Samstag, 13.Januar 2007Ganz herzlich möchten wir Sie zu unserer gemeinsamen traditionellen Tagung ins Bildungshaus St. Michael Tauberbischofsheim mit dem Thema "Für die soziale Erneuerung Deutschlands" einladen. Aus Sicht des DGB und der KAB soll eine Antwort gefunden werden auf die Fragen:Wie viel lebenswerter wäre unser Land, wenn für alle Frauen und Männer Teilnahme und Teilhabe gesichert wärenWieviel lebenswerter wäre unser Land, wenn Menschen die alt und krank sind sich nicht fremd und ausgestoßen fühlen müssen.Wie wäre es mit mehr Schönheit und Kultur, mehr Frieden und vor allem weniger Einsamkeit und Verzweiflung.In dieser Tagung wollen wir uns damit beschäftigen wie es gelingen kann, dass das soziale Netz alle tragen kann, der soziale Ausgleich zwischen Arm und Reich stattfindet und soziale Teilhabe und Teilnahme aller gelingt.In diesem Sinne freuen wir uns auf Ihre Teilnahme und Teilhabe, sowie Ihre Diskussionsbeiträge bei dieser Tagung.Bernhard Speck, Bildungsbeauftragter KAB Main-Tauber-Kreis · Bernhard Löffler, Regionsvorsitzender DGB Region Heilbronn · Karola Pelzer, Regionssekretärin DGB Region Rhein-NeckarProgramm:Bis 9.00 Uhr Anreise9:15 Begrüßung anschließendVortrag: Was sagen Kirchen und die KAB zur gesellschaftlichen Lage und zum Sozialstaat­·Referent Pater Burghard Weghaus·stellv.Diözesanpräses· Mannheim10:15 Uhr PauseAktuelle Informationen zur Gesundheitsreform: Referent Herr Manfred Klinnert·Geschäftsführer der AOK Tauberbischofsheim11:45 Uhr Pause12:00 Uhr Aktuelle Informationen zum ALG II · Referent ist angefragt13:00 Uhr Mittagessen14:00 Uhr Vortrag: Das geht besser, aber nicht von alleine! Für die soziale Erneuerung Deutschlands·Referent Herr Bernhard Löffler·DGB14:45 Uhr Kaffeepause15:15 Uhr Fortführung des Themas und Diskussion16:00 GottesdienstÄnderungen im Programm vorbehaltenBitte Einzelprospekt anfordern · Anmeldung erforderlichKosten für Seminar und Verpflegung:Mitglieder DGB und KAB   5,00 EuroNichtmitglieder               8,00 EuroAnmeldung bis:08.01.2007Veranstalter:KAB Bezirkssekretariat·Kirchenstraße. 11·74722 Buchen-Hainstadt· Tel.: 06281-52290 Fax: 06281-522930 E-Mail: zentrale@kath-odenwald-tauber.de

Mindestlohn

Die baldige Einführung eines Mindestlohns fordert die KAB-Bundesvorsitzende Birgit Zenker angesichts von Millionen Geringverdienern, die in verdeckter Armut trotz Arbeit leben und auf staatliche Hilfen verzichten. „Nicht Leistungsmissbrauch von Armen ist das Problem in Deutschland, sondern die ausufernden Billigjobs, die Menschen in Armut und Kinder in die Sozialhilfe treibt“, sagte Zenker.
Sie verlangte zudem endlich einen Stopp der diskriminierenden Hartz-Politik, die Arbeitslose und ALG-II-Bezieher generell unter Verdacht auf Leistungsmissbrauch stelle. „Politiker nutzen in beschämender Weise Neidgefühle in der Gesellschaft und falsche Annahmen, um ihre konzeptionslose Politik des Sozialabbaus zu rechtfertigen“, kritisierte Zenker. „Das Argument Leistungsmissbrauch gehört in den Mülleimer, wo es her kommt“, betonte die Vorsitzende des katholischen Sozialverbandes, die vor einer verbalen Spaltung der Gesellschaft durch die Politik warnte. Die Politik solle endlich tragfähige und menschenwürdige Antworten auf die zunehmende Spaltung der Gesellschaft geben.
„Deutschland braucht Mindestlöhne, gerade im Bereich der Billigjobs“, forderte Zenker. Gleichzeitig müsse über ein Grundeinkommen nachgedacht werden, wie es der Thüringische Ministerpräsident Dieter Althaus ins Gespräch gebracht habe. „Eine Gesellschaft, die ihre christlichen Wurzeln nicht verleugnen will, muss jedem Menschen ohne Vorbehalte eine sichere und menschenwürdige Existenz zusichern können“, erklärte Birgit Zenker. Sie verwies ihn diesem Zusammenhang noch einmal auf das von der KAB entwickelte Modell der Tätigkeitsgesellschaft, in der die Dominanz der Erwerbsarbeit zurückgedrängt werde zugunsten einer Gesellschaft, in der alle menschliche Arbeit stärker anerkannt und beachtet werde.

220.00 Menschen demonstrierten für eine sozialere Politik
KAB auf dem Aktionstag stark vertreten
 

Mehr als 200.000 Menschen haben am Wochenende gegen den Reformkurs der Koalition demonstriert. Unter Federführung des DGB hatte auch die KAB zu diesem Aktionstag aufgerufen, um der Forderung nach einer Revision in der Gesundheits-, Renten- und Steuerpolitik Nachdruck zu verleihen.
"Das geht besser. Aber nicht von allein" war das Motto der Demonstrationen in den fünf Großstädten Berlin, Dortmund, Frankfurt, Stuttgart und München. 

"Der Sonntag ist uns heilig"

Katholische Verbände gegen Freigabe der Ladenöffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen
Berlin, 21. Dezember 2006. Die Vorsitzenden elf großer katholischer Verbände haben sich bei den Ministerpräsidenten der Bundesländer gegen die Freigabe der Ladenöffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen eingesetzt. In einem gemeinsamen Schreiben forderten die Präsidenten der Organisationen die Landesregierungen auf, den Schutz der Sonn- und Feiertage als tragendes Fundament unserer Wertekultur zu respektieren.
"Der Sonntag ist uns heilig", heiß es in dem Brief, der Mitte Dezember an alle sechzehn Ministerpräsidenten verschickt wurde. Mit der Liberalisierung er Ladenöffnungszeiten werden wichtige Phasen der individuellen Regeneration und des menschlichen Zusammenlebens aufgegeben, so die Verbandspräsidenten. Vor allem Familien brauchen Zeiträume, die sie miteinander gestalten und erleben können. Unsere Gesellschaft kann nicht einerseits mit Blick auf die Diskussion um Bildung und Erziehung die unverzichtbare Rolle der Familie betonen und andererseits die geschützten Zeiträume, in denen Eltern ihren Kindern Zeit und Liebe schenken können, immer stärker auflösen.
Die elf Verbandsvorsitzenden äußerten die Befürchtung, dass eine an kurzfristigen ökonomischen Zwecken orientierte Regelung der Ladenöffnungszeiten langfristig weder einen ökonomischen noch einen gesellschaftlichen Mehrwert erbringen wird. Sie appellierten an die Länderchefs "als Christen und als Staatsbürger", sich gegen die Freigabe der Ladenöffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen in ihrem Bundesland einzusetzen. Im Zuge der Föderalismusreform hatten die Bundesländer Kompetenzen für die Ladenöffnungszeiten erhalten, die sie teilweise für die Freigabe an Sonn- und Feiertagen genutzt haben.

Das Neue sozial denken + Zehn Jahre Sozialwort: Katholische Verbände fordern mehr Solidarität und Gerechtigkeit

Genau zehn Jahre nach dem gemeinsamen Wort der beiden Kirchen zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland müssen wir, die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), der Familienbund der Katholiken, der Bund der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ) und die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Deutschlands (KAB) feststellen, dass das Sozialwort in Vergessenheit geraten ist. Die gesellschaftspolitischen und wirtschaftlichen Analysen und Bewertungen von 1997 fanden in den politischen Entscheidungen der vergangenen zehn Jahre keine entsprechende Berücksichtigung. Sonst gäbe es für über acht Millionen Menschen in unserem Land nicht eine belastende Lebens- bzw. Arbeitssituation.
Wir katholische Sozialverbände müssen erkennen, dass sich Armut in Deutschland nicht nur verfestigt, sondern verbreitert und mittlerweile auch die so genannte Mittelschicht erreicht hat. Die Kinderarmut in Deutschland, die Zahl der Kinder mit geringen Bildungschancen und mit einem hohen Gesundheitsrisiko steigt kontinuierlich.
Das ist ein Armutszeugnis. Familien tragen weiterhin die Hauptlasten der Reformen der letzten zehn Jahre. Jungen Menschen wird es immer schwerer gemacht, den Einstieg ins Berufs- und Arbeitsleben zu finden. „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die bisher einseitig zu Lasten der Frauen ging, muss für Frauen und Männer gleichermaßen möglich sein“, heißt es im Sozialwort. Doch zur Verwirklichung der geschlechtsspezifischen Arbeitsteilung durch „vermehrte Beteiligung von Männern an der Haus- und Familienarbeit“ gehört auch das Bemühen, die Familienarbeit als gleichrangig neben der Erwerbsarbeit anzuerkennen.
Auch das Ziel, Frauen eine eigenständige soziale Sicherung zu ermöglichen, ist noch lange nicht erreicht. Trotz konjunktureller und saisonaler Belebung der Wirtschaft ist die Zahl der Menschen ohne Arbeit höher als vor zehn Jahren. Wir müssen erkennen, dass die Reformversuche in der Arbeitsmarktpolitik versagt und lediglich zur weiteren Spaltung der Gesellschaft beigetragen haben.
Entsolidarisierung stoppen
Die Aufforderung des Sozialwortes, sich auf allen Ebenen „für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“ einzusetzen, ist im letzten Jahrzehnt eher ins Gegenteil verkehrt worden.
Reformen in der Gesundheits-, Familien-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik haben nicht zu mehr Solidarität und Eigenverantwortung beigetragen, sondern haben zur Entsolidarisierung der Gesellschaft und zur Ausgrenzung von Arbeitslosen und Arbeitnehmern sowie ihren Familien beigetragen. Trotz politischer Initiativen, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu verbessern, findet sich weiterhin strukturelle Rücksichtslosigkeit gegenüber Familien in unserer Gesellschaft. Wir fordern von allen Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Kirche die zukunftsweisenden Ansätze des Wortes von 1997 allen Planungen und Entscheidungen zugrunde zu legen und die Herausforderungen der Zeit nicht mit einem Rückzug aus der sozialen Verantwortung zu beantworten.
Das Neue muss sozial gestaltet werden, um die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft zu erhalten. Neben einer gerechten Vermögensverteilung sind der Ausbau des dritten Arbeitsmarktes, die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, die Chancengerechtigkeit zwischen Frauen und Männern, die Förderung der Familien und die Weiterentwicklung des Bildungssystems hin zu einem Instrument, das allen gesellschaftliche, soziale und berufliche Teilhabe und Teilnahme ermöglicht, gefordert. Wir fordern die Verantwortlichen in Politik, Kirche und Gesellschaft auf, ernst zu machen mit einer „Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit“. 22. Februar 2007 

 




 
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